Äthiopien, Teil 3: Land der Kulturen, Völker und Stämme

Äthiopien, Museum der Völker: Volksstamm Mursi im Omo-Tal in Süd-Äthiopen

Eine Reise ins Omo-Tal ins „Museum der Völker“

Rund 77 Millionen Menschen leben Schätzungen zufolge in Äthiopien. Die Bevölkerung besteht aus 120 unterschiedlichen ethnischen Gruppen, die insgesamt mehr als 80 Sprachen sprechen. Die Amtsprache ist Amharisch. Äthiopien ist das älteste Land Afrikas, das bis auf die Besetzung durch Mussolinis Truppen (1935-1941) unabhängig war und es ist das einzige afrikanische Land, das nie kolonialisiert wurde. Ein Land mit viel Geschichte. Hier gibt es Völker, die zu uralten Ethnien gehören, die immer noch fast so leben, wie ihre Vorfahren. Dies ist wohl mit ein Grund, warum der italienische Historiker Äthiopien 1937 als ein „Museum der Völker“ bezeichnete. Ein paar dieser Völker aus dem Süden Äthiopiens stellen wir Ihnen heute vor.

Äthiopien, ein Mosaik der Völker

Die Marktstadt Jinka gilt das Tor zu einer der ältesten Weltgegenden, dem unterem Omo-Tal, das oft als die Wiege der Menschheit bezeichnet wird. Die Fossilien Omo 1 und Omo 2 wurden hier gefunden, vermutlich rund 195.000 Jahre alt und dem Homo Sapiens zugeordnet. Im Omo-Tal in Äthiopien leben so viele Kulturen auf so engem Raum, wie nirgendwo sonst. Hier leben Jäger, Sammler, sesshafte Bauern und Halbnomaden. Viele davon leben noch genauso, wie vor Tausenden von Jahren. Das untere Omo-Tal ist seit 1980 ein Weltkulturerbe. Allerdings ist das Erbe bedroht: Ausländische Investoren sind eine ebenso große Gefahr, wie der Gibe-III-Staudamm, einer der größten Dämme der Welt. Durch ihn bleiben die Überschwemmungen in der Regenzeit aus, was den natürlichen Rhythmus der Naturvölker aus temporärem Anbau und Viehzucht zerstört.

Wolaytta und Alaba

Auf dem Weg nach Arba Minch kommt man durch das Land der Wolaytta (auch: Wolaita) und Alaba. Die Wolaytta hatten einst ein eigenes Königreich, das aber im 19. Jahrhundert in das Königreich Äthiopien eingegliedert wurde.
Bei den Bauern der Alaba gibt es Häuserwände zu entdecken, die mit wunderschönen und farbenfrohen Wandgemälden verziert sind. Bei dieser traditionellen Kunst werden die Häuser von außen und innen bemalt. Der Stil ist einzigartig, die Motive stammen aus dem Alltag, der Religion oder zeigen Wünsche, Träume oder Vorlieben der jeweiligen Hauseigentümer.

Die Ari, Tsemay und Woito

Wer nach Jinka will – und das will eigentlich jeder, der die Stämme und Völker Äthiopiens kennenlernen möchte – kommt auch am lebhaften Wochenmarkt von Key Afer vorbei. Hier betreiben mehrere Stämme regen Handel. An den Straßenrändern kann man Männer und Frauen der Ari und Woito sehen, ebenso wie die Hirten der Tsemay und Bena mit ihren Viehherden. Die rund 10.000 Tsemay leben fast alle im Flusstal des Omo. Sie leben vor allem von der Landwirtschaft und Viehhaltung.
Auch die Ari sind – wie die Alaba – bekannt für die Bemalung ihrer Hauswände. Für die außergewöhnlichen Kunstwerke verwenden die Frauen Farben aus Früchten, Erde, Holzasche und Kuhmist. Während die Männer unter anderem Mais, Getreide und Kaffee anbauen, kümmern sich die Frauen um die Verzierung des Hauses oder töpfern. Die rund 120.000 Ari leben im Mago Nationalpark im Omo Tal.

Die Dorze

Die Dorze leben in den Chencha Bergen, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf den Chamo-See und den Abaya-See hat. Früher waren sie Jäger und Krieger, heute bauen sie die „falsche Banane“ (Enset) an, betreiben Imkerei, Töpferei und sind berühmt für ihre farbenfrohen Webstoffe, die man überall im Land finden kann. Eine weitere Besonderheit sind die bienenkorbartigen Hütten, die von vorne wie das Gesicht eines Elefanten aussehen. Rund 28.000 Menschen werden heute dem Volk der Dorze zugerechnet.

Die Konso

Bei einem Besuch in einem Dorf der Konso lernen Sie die traditionelle Terrassenlandwirtschaft dieses Volkes kennen. Die Konso sind meisterhafte Terrassenbauer und haben sich mit dieser Technik hervorragend an die Kargheit und Trockenheit der Landschaft angepasst. Auch die farbenprächtige Baumwollkleidung der Konso ist wunderschön anzuschauen.

Die Mursi

Tief im Süden Äthiopiens leben die Mursi, schätzungsweise 7.500 Menschen und früher ein kriegerisches Volk.  Sie gehören wohl zu den berühmtesten Völkern aus dem Omo-Tal. Das liegt vor allem an den berühmten Lippentellern, den so genannten „dhebi“ der Frauen dieses Stammes. Die Platten in den Unterlippen sind ein Schönheitsideal, je größer die Platte, als desto schöner und reicher gilt die Frau. Für die Formung setzen ältere Frauen den jüngeren Tonteller ein. Ähnlich werden oft auch die Ohrläppchen verziert. Die meisten Mursi arbeiten als Bauern und Viehzüchter.

Äthiopien, Museum der Völker: Volksstamm Mursi im Omo-Tal in Süd-Äthiopen

Äthiopien, Museum der Völker: Volksstamm Mursi im Omo-Tal in Süd-Äthiopen

Die Karo

Das Volk der Karo ist mit geschätzt 1.000 bis 3.000 Angehörigen der kleinste Volksstamm Äthiopiens. Die Körperbemalung der Menschen stellen oft wahre Kunstwerke dar. Sie leben in drei Hauptdörfern oberhalb des Omo in einem abgelegenen Gebiet und betreiben dort Handel, Viehwirtschaft, Schwemmlandbau, Fischerei und Imkerei. Neben der Körperbemalung fällt auch der Körper- und Kopfschmuck der Männer auf – die „Lehmhaube“ ist bei den Männern ein Statussymbol.

Die Hamer

Die Frauen der Hamer sind wegen ihrer ausgefallenen Haartracht bekannt. Sie tragen die Haare in kurzen, dünnen Zöpfen, die mit einer Paste aus rotem Ton und Butter eingerieben werden. Die Kleidung besteht aus Lederschürzen und unzähligen Perlenketten. Die Hamer sind ein Hirtenvolk, das vor allem Ziegen und Rinder züchtet. Eine Besonderheit ist die sogenannte Bullensprung-Zeremonie: Bei diesem Initiationsritual springen junge Männer über die Rücken mehrerer Bullen, um damit als heiratsfähig und erwachsen zu gelten.

Lernen Sie die unterschiedlichen Völker des Südens von Äthiopien kennen – auf unserer geführten Kleingruppenreise durch Nord-Äthiopien und Süd-Äthiopien lernen Sie zahlreiche Stämme im Omo-Tal kennen, besuchen Dörfer und Märkte.
Sie entdecken auf dieser Reise alle Highlights des Landes, von den historischen Sehenswürdigkeiten und den Naturwundern im Norden bis hin zu dem einzigartigen Stämmen und Völkern im Omo-Tal.

Unsere Äthiopien-Reihe:
Im ersten Teil unserer Äthiopien-Reihe haben wir bereits zu den heiligen Städten Axum und Lalibela entführt, wo es Felskirchen und Stelen zu entdecken gibt. Und wir haben Ihnen im zweiten Teil die Naturwunder Äthiopiens gezeigt, den Tanasee, die Wasserfälle des Blauen Nils und das Dach Afrikas, die Simien Mountains.
Weitere Teile folgen… bleiben Sie dran!
Im vierten Teil erfahren Sie alles Wichtige rund um die Einreise nach Äthiopien und viele Tipps und Infos für Ihre Äthiopien-Reise.