Afrika – unbekannter Kontinent, den die Welt zu kennen denkt

Liebe Freunde Afrikas und all diejenigen, die diesen Kontinent nur aus Medienberichten kennen. Heute ist ein Feiertag und ich habe mir darum vorgenommen, einen Blog zu schreiben, da ich aus zeitlichen Gründen leider nur noch selten dazu komme.

Es gibt eine Statistik die besagt, dass wir Europäer – zum Thema Afrika befragt – nur zu 8% eine Safari mit diesem Kontinent in Verbindung setzen.

Unfassbare 47% der Menschen, denken beim Stichwort Afrika an… na? HUNGER!

Sind Sie eigentlich viel auf der Autobahn unterwegs und in Autobahn Raststätten? Ist Ihnen dort in den vergangenen Monaten – sagen wir im ersten und zweiten Quartal – etwas Besonderes aufgefallen, wenn Sie dort die sanitären Anlagen genutzt haben? Vielleicht nicht, denn unsere Medien bearbeiten uns seit Jahrzehnten so geschickt, dass wir alles nur noch oberflächlich wahrnehmen, aber dennoch mit tief verknüpften Verankerungen verbinden…Ich sag Ihnen etwas. Mir ist eine Tatsache aufgefallen, die mich so langsam richtig sauer werden läßt. Als Vielfahrerin auf der Autobahn, ist es unvermeidlich, die sanitären Anlagen von Raststätten zu besuchen. Es seid denn, Sie trinken zu wenig. Der neueste nervige „Gag“ in den Toilletten sind digitale Werbetafeln in den Spiegeln. Selbst beim Händewaschen wird man mit Werbung belästigt, damit man doch bitte bloß den überteuerten Kaffee im umweltschädlichen Plastikbecher mit auf den Weg nimmt… Innerhalb der Toiletten, also innen an der Tür hängen ebenfalls Werbeposter. Meist mit Werbung für Spendenaufforderungen.

In den vergangenen Monaten ist mir also aufgefallen, dass fast in jeder Raststätte die ich besucht habe, in den Toiletten Spendenaurufe zu Afrika getätigt werden! Gezeigt werden sehr schwache, arme Kinder mit großen Kulleraugen, die offensichtlich Hilfe benötigen, um in Ihrem Leben überhaupt eine Chance zu bekommen. In großen Lettern steht dort geschrieben: HUNGER IN AFRIKA! Helfen auch Sie! Spenden Sie an….

Als Afrika Liebhaber und Mensch der sehr viel nachdenkt und Bücher liest, muß ich sagen, dass ich diese Art der Spendeneintreibung einfach nur schrecklich finde. Was soll diese scheinheilige „Message“, dass wir Afrika helfen können mit Spendengeldern? Was soll diese immer wiederkehrende Aussage, dass Afrika ein schrecklicher Kontinent mit Hungersnöten, mit schrecklichen Krankheiten, Korruption usw. ist?

Suggeriert wird hier nur eines. Immer und immer wieder! Afrika ist ein schlimmer Kontinent. Afrika ist gefährlich! Menschen verhungern zu Millionen. Afrika ist voll mit tödlichen Krankheiten. Afrika ist der korrupteste Kontinent auf der Welt…

Menschen die NOCH NIE ein tieferes Interesse an Afrika hatten. Noch nie von Freunden und Bekannten gehört haben, wie unglaublich faszinierend es dort ist. Wie unfassbar freundlich seine Bewohner sind. Die garnicht wissen, dass Afrika aus über 50 Ländern besteht. Das die Tierwelt so einzigartig ist, dass man es nicht beschreiben könnte, selbst wenn man wollte… WAS passiert in dem Kopf solcher Menschen, wenn Afrika immer nur mit Hunger und Tod in Verbindung gebracht wird?

Genau richtig! Sie glauben es irgendwann, ohne überhaupt zu wissen, worum es geht.

Jeder der sich mit Nachrichten, mit Politik, mit unserer Umwelt wirklich auseinandersetzt. Jemand der googelt. Der Bücher liest, die aufgrund von echten Recherchen geschrieben wurden… dem kann man so schnell nichts vor machen. Aber wie viel Prozent unserer Bevölkerung sind das? Das Fernsehen wird als Mittel zur Steuerung genutzt. „Brot und Spiele“ sage ich gerne dazu. Ablenkung ist alles – denn nur ein abgelenkter Bürger ist ein guter Bürger.
Jemand der hinterfragt… der ist unangenehm und nicht erwünscht. Zeitschriften sind voll mit Werbung und ebenfalls – wenn es um Afrika geht – voll mit Spendenaufrufen mit Bildern von hungernden Kindern.

Warum die Situation in Afrika ist wie sie ist – darüber nachzudenken ist lohnenswert! Es gibt viele Bücher darüber wie Afrika durch uns Europäer und andere Staaten ausgebeutet wird. Wie ihnen ihre Existenz genommen wird! Wasser – lebensnotweniges Gut – von mächtigen Großkonzernen gestohlen wird, um es dann weltweit in Plastikflaschen für horrende Preise zu verkaufen. Kaffee, Schokolade (Kakao), Obst, Rohstoffe und ach so vieles mehr. Das will der moderne Mensch alles im heimischen Supermarktregal zu billigsten Preisen erwerben können.
Ist es so? Es IST so. Woher kommt dies alles? Wächst Kaffee in Deutschland? Kakao? verschiedenste Obstsorten…? Wie sieht denn so ein langer Weg aus, den Produkte aus Afrika hinter sich haben, bis sie schließlich bei uns in den Regalen landen? Lang nicht wahr? Wissen Sie was? Ich rege mich auf. Jetzt wo ich es in Worte fasse, werde ich regelrecht sauer. Wir lassen es zu, dass wir in eine verkehrte Welt gesetzt werden. In eine BOX, aus der wir nicht mehr rausschauen. Nicht über den Rand schauen, um zu kapieren, dass wir nur benutzt werden. Wir Konsumenten sind es, die ebenfalls dazu beitragen, dass Afrika in den Ruin getrieben wird. Das weiterhin Kinder hungern und verdursten. Ja! Wir sind ein großzügiges Volk. Im Spenden stehen wir ganz oben. Wir könnten auch einmal anders spenden. In dem wir Kaffee kaufen, der das „Fair Trade“ Siegel besitzt. Oder große Konzerne einfach mal komplett boykottieren und anstatt dessen unser Wasser aus dem hauseigenen Wasserhahn trinken. Indem wir bereit sind für Produkte einen FAIREN Preis zu zahlen! Aber ach nein…. so auf Dauer ist die eigene Brieftasche dann doch näher als die Menschen die dafür in dritte Welt Ländern leiden müssen.

Bei Kleidung: Nichts anderes. Es gibt Billigketten bei denen man lustig hüpfende Zahlen in der Werbung sieht die einem zurufen, dass man „clever kaufen“ soll… WAS bitte schön ist daran clever, wenn ich mir ein T-shirt für 4,50 Euro kaufe, dessen Färbung hoch giftig ist… das nach 3 Mal waschen auseinander fällt und das garantiert! in Afrika, Indien oder wo auch immer Menschen bis aufs Blut ausbeutet?

Aber Hauptsache ich spende. Weil ich bin ein großzügiger Mensch.

Ach ja.

Und wenn ich jetzt mal alles runterbreche auf unsere Reisebranche in der wir uns täglich bewegen… wissen Sie was diese mit Afrika zu tun hat? Bzw. mit dem Leben der Menschen
in touristischen afrikanischen Ländern?

Unfassbar viel!

Täglich haben wir es mit Menschen zu tun die zwiegespalten sind. Die den Wunsch seid ihrer Kindheit haben, nach Afrika zu reisen. Das echte, wahre Leben und wundervolle Wildnis zu erleben. Aber sie trauen sich nicht. Sie zögern. Sie haben Angst. Vor dem UNBEKANNTEN. Vor dem, was in den Medien verbreitet wird. Aussagen wie „In Johannesburg wird man doch schon am Flughafen erschossen“ oder „die armen Kinder in Tansania. Die haben nicht zu essen. Da wäre es doch schlimm wenn ich dort eine Reise unternehme und es mir gut gehen lasse. So etwas macht man doch nicht“ … auch immer gerne auf der Tagesordnung: „Um Himmels Willen Afrika! Nie im Leben reise ich dorthin. Da gibt es Schlangen“. Ich könnte mittlerweile ein Buch darüber schreiben, was wir tagtäglich an Aussagen zu hören bekommen. Ich sehe schon die echten Afrikaliebhaber an dieser Stelle hier lachen… Aber ganz im ernst. Es ist garnicht lustig.

Denn die UNWISSENHEIT, die geschürt wird, durch unsere Medien, die komplett falsch berichten und die danach gieren, dass etwas lohnenswert schreckliches in Afrika passiert, dass es ausreicht für eine fette negative Schlagzeile… die schreit zum Himmel!

Wie schön wäre es, anstatt negative Schlagzeilen auch mal positive zu lesen. Geschichten von Menschen die in Afrika leben. Wie leben sie? Was machen sie? Wie bestreiten sie ihren Lebensunterhalt? Sind sie wirklich so traurig, wie es der Welt auf Bildern immer präsentiert wird oder sind ein großer Teil der Bevölkerung evtl. ganz normale Menschen, die eine Farm haben, ganz normal arbeiten gehen oder oder? Fakt ist doch: Es wird darüber nichts gesagt.

Eine Reise nach Afrika bildet hundertfach. UND: Sie räumt mit Vorurteilen auf. Sie möchten nicht nach Afrika, weil es dort so viele arme Menschen gibt? Wie verdienen diese Menschen Geld? Ein Großteil mit den Einnahmen, die sie durch Touristen erzielen. Wenn Sie helfen wollen, dann reisen Sie nach Afrika und kaufen Sie schöne Dinge vom Handwerkermarkt… Kaufen Sie eine Melone am Wegesrand… oder den gebratenen Maiskolben.

Und buchen Sie eine Reise, bei der Sie gewillt sind Trinkgeld zu geben. Trinkgeld ist wichtig und es ist einfach ein Muss. Wenn ich eine Anfrage bekomme und es fragt mich jemand ob er denn Trinkgeld geben müsse vor Ort… dem helfe ich ganz schnell einen anderen Reiseveranstalter zu finden. Solche Menschen möchte ich nicht nach Afrika schicken. Hier den Kaffee für 4 Euro im Plastibecher an der Tanke kaufen – aber in Afrika nicht gewillt sein, 5 Euro Trinkgeld zu geben… Unglaublich ist das oft.

Für alle, die durchgehalten und den langen Text gelesen haben:

Woran denken die meisten Menschen, wenn Sie das Stichwort Afrika hören?

Laut Statistik an folgendes (ca. % Angaben):

PLATZ 1 – Hunger (47%)
PLATZ 2 – Fußball (10%)
PLATZ 3 – Aids (10%)
PLATZ 4 – Safari (8%)
PLATZ 5 – Korruption (8%)
PLATZ 6 – Nelson Mandela (das finde ich ja schonmal lobenswert) (7%)
PLATZ 7 – Flüchtlinge (7%)
PLATZ 8 – hat keine Ahnung (2%)

Viele Grüße
Sabine Kastner