Aus dem Leben einer afrikanischen Mutter – Teil 1

Es dämmert. Noch etwas müde, aber gut erholt, erwacht sie im Dickicht der idyllischen ostafrikanischen Dornbuschsavanne. Der vergangene Tag war einfach großartig: Nach einem besinnlichen Nickerchen im Schatten der Bäume nahe des angrenzenden Waldes fand sie ein riesiges Wasserloch und nahm sich die Zeit für die erfrischende Körperpflege.

Ihr Zuhause hat sie schlau gewählt, finden sich hier doch genügend frische und vielfältige Köstlichkeiten auf der Speisekarte. Da sie nicht besonders gut sieht, ihr Hunger aber gerade jetzt enorm groß ist, riecht sie sich zum nächsten leckeren Mahl. Ihr Nachwuchs, der erst vor einigen Tagen geboren wurde, folgt ihr auf dem Schritt. Der kleine Kerl ist aber auch zu drollig, weiß er sich doch noch nicht so richtig mit seinem 30 kg schweren Körper standhaft fortzubewegen. Aber das ist nicht schlimm, denn seine Mutter beschützt und säugt ihn die nächsten 2 Jahre. Ihm bleibt also noch genügend Zeit, um wichtige Abläufe des rauen, wilden Lebens und intelligente Tricks von ihr zu lernen. Geliebt und beschützt macht Lernen doch wirklich großen Spaß! Sie ist schon 40 Jahre alt und es scheint so, als wäre sie gerade auf diesen kleinen Racker besonders stolz. Auf ihre alten Tage ist das auch nicht verwunderlich, musste sie doch in diesem hohen Alter die 449 Tage der Tragzeit überstehen – von der schweren Geburt gar nicht erst zu sprechen! Zwei Löwinnen traben mit gebührendem Abstand an den beiden vorbei und meiden bewusst den Angriff. Sie haben aus vergangenen Attacken gelernt, dass gerade die Mütter dieser Art zu allem im Stande sein können, und bei einem Angriff aus dem Räuber leicht die Beute werden kann. Und so mampft sie sich, von den Gästen unbeeindruckt, fleißig weiter durch ihre leckeren Speisen. Der kleine Kerl stillt derweil seinen Hunger ihm Schutz ihrer stämmigen Beine.

…Aber, was ist das? In einem Abstand von 50m bewegt sich etwas auf sie zu. Sie kann nicht einschätzen oder gar sehen, was es ist. Sie kann es aber sehr gut hören – und riechen: Der Geruch ist ihr schon einmal unter dramatischen Umständen vor die Nase gekommen. Damals verlor sie im Dunst dieses übel riechenden Gestanks ihre Mutter. Ihr damaliges Zuhause hat sie nie wieder besucht und diesen fiesen Geruch auch nie wieder wahrnehmen müssen. Und doch erkennt sie ihn nach all den Jahren wieder: Beschützend stellt sie sich vor ihren Nachwuchs, nicht wissend, was oder wer sich hinter dieser bedrohlichen Annäherung verbirgt. Schnell setzt sie ihren tonnenschweren Körper in Bewegung und rast mit unglaublicher Geschwindigkeit der Gefahr entgegen.

In finsterer Nacht liegt sie – betäubt, niedergestreckt und mit einem der beiden Hörner auf ihrer Nase weniger – einige Stunden später in einem roten See ihres eigenen Blutes. Es werden noch weitere Stunden vergehen, bis sie den widerlichen Kampf gegen die unerträglichen Qualen und Schmerzen verloren geben muss. Ihr kleiner Racker umkreist sie schon eine gefühlte Ewigkeit und weiß nicht, was zu tun ist. Er weiß nicht, dass auch er den Tod finden und seiner Mutter in qualvoller Weise folgen wird…

Tansania: Das Östliche Spitzmaulnashorn/Diceros Bicornis Michaeli

In den vergangenen 25 Jahren bis zum heutigen Zeitpunkt haben in Tansania bzw. in vielen anderen Ländern Afrikas unzählige Nashörner wegen ihres begehrten Horns ihr Leben verloren. Ihr einziger Feind, der seltsam riechende Mensch, lässt das jagen nicht. Die traurige Bilanz: Von geschätzt 170 verschiedenen Nashornarten, die einst auf dieser Erde wandelten, leben heute noch genau 5 (Asien: Sumatranashorn, Java-Nashorn, Panzernashorn; Afrika: Breitmaulnashorn, Spitzmaulnashorn ). Diese 5 haben es innerhalb des letzten Jahrhunderts auf die Liste der bedrohten Arten „geschafft“. Von den rund 13000 in der Wildnis lebenden afrikanischen Exemplaren (nicht im Zoo) leben noch ca. 10.400 Breitmaulnashörner und ungefähr 2.700 Spitzmaulnashörner in den Savannen. Frei lebende Spitzmaulnashörner findet man heute nur noch in Simbabwe, Kenia, Namibia, Kamerun, Südafrika, Malawi und in Tansania. Mit großem Engagement wilderte man im tansanischen Ngorongoro-Krater-Gebiet und in der Serengeti einige südafrikanischen Spitzmaulnashörner aus, um die ständig sinkende Anzahl der Art im eigenen Land zu mindern. Heute leben wieder über 60 Dickhäuter in der Nationalpark-Region in Tansania. Diese Zahl ist nicht mit der vergleichsweise großen Anzahl an freilebenden Nashörnern in Südafrika zu vergleichen, zeigt aber einen erfreulichen Schritt in die richtige Richtung, wenn es um den Wunsch nach größtmöglicher Biodiversität für die Zukunft des Lebens auf diesem Kontinent geht.

Gehen Sie auf eigene Entdeckungsreise nach den letzten ihrer Art. Zum Beispiel im Ngorongoro-Krater in Tansania. Informieren Sie sich bei Ihren Afrikascouts über Ihre geführte Traumsafari durch das wundervolle Tansania oder klicken Sie hier: Tansania und Sansibar – Safari und Baden an schneeweißen Traumstränden