Die letzten ihrer Art – Nördliche Breitmaulnashörner in Ol Pejeta

Mutter und Sohn lernen mehr über die Tiere Afrikas auf einer Homepage beim täglichen Surfen im Internet: „Schau, mein Kind! Das ist ein weißes Nashorn! Diese hier auf dem Bild mit den breiten Mündern heißen Nördliche Breitmaulnashörner. Sie lebten in Afrika und sind vor nicht allzu langer Zeit ausgestorben!“

„So wie der Säbelzahntiger und das Mammut ausgestorben sind? Erst waren sie da und dann einfach weg?“„Ja, genau!“„Aber, warum sind denn nicht die Kühe oder die Schweine ausgestorben, Mama? Die sind doch viel kleiner und schwächer.“ – „Die wurden noch gebraucht!“„Und das Nashorn? Das hat man nicht mehr gebraucht?“„Nein, nein! Nur sein Horn! Aber das gibt es ja jetzt auch nicht mehr! Dafür haben wir heute eine andere Lösung gefunden: Papa geht, wenn er sich nicht wirklich gut fühlt, auch gerne mal zum Sport!“

Rücksichtsloses Potenz-Streben und dicke Geldbörse vs. Menschliche Intelligenz

So oder so ähnlich könnten Kinder mit ihren Eltern in gar nicht allzu weit entfernter Zukunft auf dem asiatischen Kontinent kommunizieren.
Wann? – Es braucht nicht mehr viel, um unseren nachfolgenden Generationen jegliche Chance auf ein persönliches Treffen mit den sanften Dickhäutern zu nehmen. Und ja: Genau weil Papa sich nicht gut fühlt, weil Papa Geld hat, um etwas zu kaufen, was er sich beim Fingernägelkauen billiger beschaffen könnte – aber auch, weil schlaue und böse Menschen erkannt haben, dass sie sich große Villen und dicke Autos kaufen können, wenn sie die notwendige, aber wirkungslose Substanz besorgen, nach der sich Papas Herz (und andere Körperteile) sehnen, um seine Stimmungslage auf ein „Hoch“ zu befördern – Und, ja : Richtig! Alle wollen das geraspelte Nashorn! – Schmeckt nicht – wirkt nicht – wird aber als Allheilmittel gegen die abschwächende Männlichkeit durchaus lukrativ an den „Mann“ gebracht! Weil es selten ist, da es nur schwerlich beschafft werden kann und viele teure Waffen und Equipment zur „Rohstoffgewinnung“ nötig sind, ist es nicht nur teuer, sondern kann nur einen asiatischen „Mann von Welt“ vor seiner schrumpfenden Männlichkeit bewahren.

Deutliche Erklärungsnot

Welche Antworten würde die Mutter geben müssen, wenn das Kind noch weiter nach dem „Warum“ fragen würde (wie es Kinder überall auf der Welt gerne tun)? Nach einer kurzen „google-Suche“ müsste sie erkennen, dass schon Mitte der neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts viel zum Erhalt der seltenen Nördlichen Breitmaulnashörner getan wurde, dass deutliche Worte in Hinblick auf das sinnlose Abschlachten zu sinnfreien Zwecken genannt wurden. Niemand geringerer als Prof. Gerhard Grzimek schickte auf Anraten eines jungen Biologen namens Püttger-Conradt eine Gesandtschaft nach Afrika, um die Anzahl der noch in Freiheit lebenden Nördlichen Breitmaulnashörner zu ermitteln. Das Ergebnis schockte nicht nur die Zoologische Gesellschaft in Frankfurt, für die Grzimek in seinen letzten Lebensjahren tätig war.

Sind die Nördlichen Breitmaulnashörner Geschichte? Das Ol Pejeta Conservancy als letzte Hoffnung

Nach Jahren des Kampfes zum Schutz des Ceratotherium simum cottoni (Nördliche Breitmaulnashörner), nach der erfolgreichen Aufnahme des Nashorns als schützenswerte Art durch die UNESCO, aber auch nach den dramatischen Jahren des Krieges im Kongo stand im Jahre 2008 fest: Die in Freiheit lebenden Weißen Breitmaulnashörner sind AUSGESTORBEN! Nicht ein Exemplar seiner Art konnte in freier Wildbahn durch die Naturforscher gezählt werden.
Mit viel technischem und logistischem Aufwand wurden vier der noch lebende Exemplare aus dem tschechischen Zoo Dvur Kralove in die Savanne Afrikas ausgewildert, um auch dem letzten Funken Hoffnung nachzukommen, diesen wertvollen Schatz der Biodiversität dieser Erde zu hüten. Im kenianischen Schutzgebiet Ol Pejeta brauchten die vier Dickhäuter keine Angst mehr zu haben.

Das von Elektrozäunen umsäumte Ol Pejeta Conservancy ist rund um die Uhr 24 Stunden/7 Tage die Woche durch Videoüberwachung gesichert.

Heutige Situation und eine aktuelle Bilanz nach Adam Riese

Alle heute noch lebenden Cottoni Nashörner leben geschützt in menschlicher Obhut. 2015 starben Nabire (Tschechische Republik) und Nola (San Diego) eines natürlichen Todes im Zoo. Von den vier Nashörnern im Ol Pejeta Conservany leben heute noch zwei Weibchen mit den Namen Fatu und Najin und ein Männchen namens Sudan. Das vierte Breitmaul-Männchen starb an Altersschwäche. Sudan, das letzte der männlichen Nördlichen Breitmaulnashörner ist also ein Unikat und wird als solches auch noch stärker bewacht: Geschulte Ranger, ausgerüstet mit modernsten Waffen, beschützen ihn wie Bodyguards.  Seiner Pflicht der Arterhaltung ist Sudan im Laufe der Jahre mit Erfolg nachgekommen: Er ist Vater von Najin, war Vater der verstorbenen Nabire und eines dritten weiblichen Nachkommen, welcher jedoch als Frühgeburt im Zoo verstorben ist. Heute, im stolzen Alter von über vierzig Jahren ist die Chance der erneuten Vaterschaft für Sudan gering. Doch ein letzter funke Hoffnung bleibt: Lies mehr dazu in unserem nächsten Blog zum Thema: „Make a Rhino“oder auch „Die dickhäutige Leihmutter“