Es war einmal in Tansania 3 – Stichhaltiges Argument für den Tierschutz. Das Nashorn ist durch Wilderei vom Aussterben bedroht

Der Schutz bedrohter und seltener Tiere –
Auf der Suche nach einem wertvollen Argument

Pro- und Kontra-Argumente zum Tierschutz haben wir ja schon reichlich genannt (Lese hierzu: Es war einmal in Tansania, Teil 2 ). Aber wie steht es mit deren Deutlichkeit oder auch Eindeutigkeit – mit dem notwendigen Schluss, diese als sinnvolle und notwendige Handlungsaufforderungen für das eigene Tun/Nicht-Tun heranzuziehen? Ich wage den Versuch einer Zusammenfassung:

Das „Argument des Nutzens“

Wir sollten die Vielfalt des Lebens auf diesem Planteten schützen, weil uns diese Variationsbreite nützlich ist und wir die Fülle mögen. Wir verfahren so doch auch mit den Ozeanen. Der Appell lautet: „Haltet die Ozeane sauber!“ – Weil? – Weil uns unser Trinkwasser und die Qualität unserer Nahrung nicht egal sein kann. Saubere Ozeane führen zu gesunden Lebensmöglichkeiten und das kann doch kein Mensch nicht wollen. Und, ach ja: „Lasst uns bitte auch den Regenwald schützen!“ Das sollte nützlich sein, weil uns unsere Atmosphäre wichtig ist. Wir sind nur dann gesund, wenn die Atemluft, unseren Bedürfnissen angepasst, gut ist. Neben dem Hinweis auf die gescheiterte praktische Umsetzung dieses Appells in Hinblick auf beschriebene zwei Beispiele (siehe „Vermüllung der Ozeane“ und die „flächendeckende Abholzung des Regenwaldes“) sei gefragt: Benötigt die Natur oder benötigen wir für ein gesundes Leben wirklich den Fortbestand des Orang Utans, der Berg-Gorillas oder des Nashorns ebenso existentiell wie gesundes Trinkwasser oder klare Atemluft? Lohnt sich mein Einsatz für den Schutz bedrohter Arten, wenn an wichtigerer Stelle mein Engagement dringender benötigt wird? – Nein? Oder doch? Ich weiß nicht?

Stichhaltig und eindeutig scheint das Nutzen-Argument also nicht zu sein.

Das „Gut-/Böse Argument“

Dann versuche ich es mal mit dem folgenden Argument: Es ist einfach axiomatisch richtig, dass wir Gutes tun und Böses bekämpfen. Ich muss bedrohte Tiere schützen, weil das Nichtstun oder sogar die aktive Tötung dieser seltenen Lebewesen bis hin zur Ausrottung böse ist. Die „Zehn Gebote“, die „Goldene Regel“ bzw. der kategorische Imperativ erteilen uns auf das Äußerste diese Handlungsaufforderung! Also gut: Wir reden von der Natur, von Töten, Sterben, Ausrotten, Überleben, Weiterentwicklung, Evolution – von natürlichen Prozessen. Wenn wir uns also als Teil der Natur sehen, dann sollte doch eher gelten: Gut und Böse gibt es in der Natur nicht. Die Wahl der besten Handlungsweise ist eng an die Vorteile geknüpft, die sich als Ergebnis aus dieser entwickeln. Also: Handlung A ist besser als Handlung B, weil sie mein Nahrungsangebot erhöht, mein Überleben sichert, meine Fortpflanzungschancen steigert usw. Handeln einheimische, in Armut lebende Jäger beim Töten der Nashörner für das begehrte Horn falsch, wenn sie auf das Geld reicher Konzerne oder Einzelpersonen in soweit angewiesen sind, als dass es ihr eigenes Überleben und das ihrer Familie sichert? Können wir auf der Grundlage des „Gut-/Böse-Arguments“ diese Handlung verurteilen?

Auch diese Argumentation zeigt deutliche Probleme in der Schlüssigkeit auf und liefert den Anhängern der Gegenposition hervorragenden Nährboden für ihre eigene Meinung. Ich möchte nicht in eine streitbare Kommunikation geraten, die ich aufgrund falscher oder schwacher Argumente verlieren könnte – wagen wir uns also zum nächsten Argument vor:

Das „Seltenheits Argument“

Seltene Tiere müssen, wenn ihnen schon das Lebensrecht verweigert wird, doch mit einem hohen Lebenswert betrachtet werden. Viele Menschen sehen dies so. Von obersten Stellen (Forschungsinstituten, Universitäten usw.) werden horrende Summen locker gemacht, um die letzten einer Art zu schützen und beschriebenen Lebenswert durch spezielle Fürsorge zu verdeutlichen (siehe unser Blog zum Thema: Die letzten ihrer Art – Nördliche Breitmaulnashörner in Ol Pejeta). Aber ist es unbestreitbar, dass man die letzen Breitmaulnashörner oder auch die Spitzmaulnashörner in Tansania beschützen sollte und gleichzeitig – moralisch unbedenklich – dabei zusehen kann, wie Schweine und Rinder gequält werden, nur weil die Anzahl der lebenden Exemplare dieser Art höher ist? Liefert die Summe lebender Individuen einer Art das richtige Argument, um zu zeigen, dass man Nashörner nicht wegen ihres Horns, Elefanten nicht wegen ihres Elfenbeins töten sollte? Ab welcher Zahl soll die Schutznotwendigkeit einer Art beginnen? Bei 1000, 100, 10 oder 3 Exemplaren? Wer bestimmt das?

Nach allgemeiner Gültigkeit und Klarheit sucht man bei dem „Seltenheits-Argument“ also vergeblich.

Schutz bedrohter Tiere? Was soll ich noch sagen? Meine Werte – mein Fazit:

Mein Verstand und mein Herz sagen mir, dass es nicht falsch sein kann, sich von beschriebenen Qualen der Nashornmutter in unserer Geschichte (Klicke hier: Leider nicht nur eine rein erfundene Story, sondern sehr real – Tag für Tag!) berührt zu fühlen oder beim Anblick tausender Stoßzähne, die illegal durch die Jagd auf Elefanten organisiert wurden und auf großen Scheiterhaufen verbrennen, nicht wütend über die Sinnlosigkeit dieser Tierquälerei zu werden. Es kann nicht falsch sein, die Notwendigkeit des Schutzes dieser Tiere zu erkennen und sich im Kampf gegen diesen Terror zu engagieren. Es sollte dann doch auch ein stichhaltiges und vernünftiges Argument für den Schutz bedrohter Arten geben!

Ich denke, das gibt es: Es ist für mich nämlich kein Geringeres als das Argument des „Lebensrechts“! Wenn ich einem Lebewesen das Recht auf Leben nicht abspreche, dann kann ich ihm mit Respekt, Würde und mit Ehrfurcht entgegentreten. So wie ich für mich selbst, für meine Familie, meine Freunde und Menschen aus meinem Umfeld, für alle Menschen dieser Erde das Recht auf Leben fordere, so sollte es auch für das Nashorn, den Orang Utan, den Gorilla oder das Schwein gelten. Töte ich ein Lebewesen mit diesem esssentiellen Recht, dann stehe ich in der Schuld: Vor Gericht, vor meiner Umwelt und – am eindrucksvollsten – vor mir selbst! Ich bestimme, auch wenn das Gesetz oder andere Menschen nicht die gleichen Maßstäbe wie ich erheben, was ich tun soll und wie ich mich verhalten muss! Ich bestimme, warum es notwendig ist, mich gegen brutale Tierquälerei einzusetzen, mit Verantwortung und Respekt mit dem Leben von Tieren umzugehen. Für mich ist deshalb der Tier- und Naturschutz – trotz oftmals großer Lücken und fehlender Paragrafen und Artikel im Gesetzbuch – verpflichtend und für mein eigenes Leben sinnvoll und notwendig! Darüber kann es nun mal keine zweite Meinung geben.

Nur wenn sich die grundlegende Einstellung des Einzelnen in Hinblick auf beschriebenes Thema – vielleicht auch mit Unterstützung sinnvoller, neuer Gesetze – ändert, ja: Vielleicht besteht dann die Chance für einen Schreiberling aus der Zukunft, eine Blogreihe zum Thema „Das tansanische Spitzmaulnashorn“ mit den Wort „Sie leben zuhauf in Tansania und erwarten dich an vielen wilden Plätzen in den traumhaft schönen Nationalparks des Landes.“ zu beginnen.

Ich würde es mir so sehr wünschen!

Es grüßt Euer Afrikascout Michi

 

TV Tipp: Passend zu diesem Thema empfehlen wir die Dokumentation „Hannes Jaenicke – Im Einsatz für Nashörner“. Hannes reiste für die Doku nach Ol-Pejeta in Kenia und besuchte dort den Nashornbullern Sudan. Den letzten Bullen seiner Art. Weiter ging es nach Südafrika und von dort nach Hanoi, denn die vietnamesische Hauptstadt gilt als Zentrum des illegalen Nashornhandels. Wie alle Dokumentationen von Hannes Jaenicke und seinem Team ein „Must see“ für alle die Tiere lieben und die Umwelt und deren Lebewesen schützen wollen.
ZDF: 16.1.2018 um 22.15

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