Es war einmal in Tansania 2 – Schutz bedrohter Arten wie zum Beispiel dem Nashorn

Vom Leben ohne Lebensrecht

„Der kleine Kerl ist aber auch zu drollig, weiß er sich doch noch nicht so richtig mit seinem 30 kg schweren Körper standhaft fortzubewegen. Aber das ist nicht schlimm, denn seine Mutter beschützt und säugt ihn die nächsten 2 Jahre. Ihm bleibt also noch genügend Zeit, um wichtige Abläufe des rauen, wilden Lebens und intelligente Tricks von ihr zu lernen. Geliebt und beschützt macht Lernen doch wirklich großen Spaß!“ (Lese auch: Teil 1 der Blogreihe zum Thema)

Ist der Schutz bedrohter Arten überflüssig? – Das Östliche Spitzmaulnashorn

Sie sind intelligent und in ihrem sehr abwechslungsreichen Alltagsleben enorm anpassungs- und lernfähig. Sie sorgen sich um ihren Nachwuchs, sind sensibel und handeln sozial.

Sie können gelingend kommunizieren und besitzen eine artspezifische Sprache. Sie sind hochentwickelte Lebewesen und besitzen Merkmale, die sich mit den hochgelobten und besonderen Persönlichkeitsattributen des Menschen decken. Und doch haben sie kein Lebensrecht wie wir (siehe Grundgesetz: 1. Die Grundrechte; Art. 2 (2))? – Wir sprechen ihnen dieses ab und verweisen auf den fehlenden „Lebenswert“. Das Leben eines Nashorns ist also nur unter einem technischen Wert für uns zu messen?
Hat unsere Umwelt einen „Wert an sich“ oder schreiben wir ihr nur einen für uns nützlichen Zweck und damit technischen Wert zu?

Der Schutz bedrohter Arten – Eine Bilanz

Die meisten Menschen, die im Natur- und Tierschutz aktiv sind, werden von eigenen Ideen und Idealen motiviert und in ihrer Arbeit bestärkt:
Das moralisch richtige Verhältnis zwischen Gut/Böse; ein gesundes Verantwortungsbewusstsein für diejenigen, die unseres Schutzes bedürfen; die Ehrfurcht vor dem Leben; das Nutzen-Kalkül in Hinblick auf die Vorteile, die uns eine gesunde Natur bieten kann oder die Notwendigkeit des Erhaltenwollens des Seltenen und der Wunsch nach größtmöglicher Biodiversität sind oft zitierte Argumente und Begründungen, aktiv zu werden und zu handeln. Warum aber denken nicht viel mehr Menschen so, können genannte Argumente teilen und sich an ihnen orientieren? Argumentiert man zu schwach, zu subjektiv, zu einfältig oder sogar falsch, wenn man sich genannten Leitmotiven bedient?

Es steht fest: Diese Argumente können nicht unangreifbar eindeutig und konsensfähig sein – in Anbetracht der derzeitigen katastrophalen Situation mit einer Liste von unzähligen bedrohten Tier- und Pflanzenarten – einer Liste, die nicht kürzer, sondern sehr schnell sehr viel länger wird. Prof. Grzimek schrieb noch Anfang der 1970iger Jahre über das afrikanische Spitzmaulnashorn, dass es die einzige Nashornart sei, von der es noch große Bestände zu geben scheine. Bei seinen Zählungen der Nashorn-Population in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts – also vor nicht einmal 50 Jahren – wurden auch noch ca. 65.000 Exemplare dieser Art ausgemacht (was im Vergleich zu anderen gezählten Arten zu jener Zeit noch relativ viel war). Heute sucht man vergeblich nach mehr als 3.000 Tieren dieser biologischen Artzugehörigkeit.

Seit über 60 Millionen Jahren wandeln die Dickhäuter auf unserer Erde. Die Reichtum versprechende und Glück verheißende Gier nach ihrem Horn brachte sie im Laufe der letzten Jahrzehnte nun aber fast an das Ende ihrer Existenz.

Fragen nach guten Argumenten für den Schutz des Nashorns/Schutz bedrohter Arten in der Freiheit der afrikanischen Wildnis:

  • Ist das Spitzmaulnashorn oder die in Tansania lebende Unterart des Östlichen Spitzmaulnashorns, ja sind überhaupt im Allgemeinen Nashörner es wert, sich um deren Erhaltung und Schutz zu kümmern?
  • Sind sie wichtig für das biologische Gleichgewicht dieser Erde?
  • Ändert ihr Dasein oder ihre Ausrottung etwas an der jetzigen Situation oder werden, wenn es sie nicht mehr gibt, wichtige Schrauben gelockert, die der Stabilität der Maschine „Erde“ schaden könnten?
  • Sind Artenreichtum und eine breitgefächerte Biodiversität vorteilhaft für den Fortbestand und die gelingende Entwicklung des Lebens auf der Erde?
  • Oder genügen hierzu auch nur ein paar aussortierte, gut adaptierte und dem biologischen Druck Stand halten könnende Arten, die sich – abgeleitet von Darwins Evolutionstheorie – als fitter, gesünder und stärker als ihre Konkurrenten aus der Geschichte hervorgetan haben?

Warum sollte man sich Gedanken machen, wenn doch alles prima läuft – für uns und unseren Lebensraum?! (Ein Ausblick: Teil 3 und Bilanz zu dieser Blogreihe)

Es grüßt mit fragendem Nachdruck
Euer Afrikascout Michi

 

TV Tipp: Passend zu diesem Thema empfehlen wir die Dokumentation „Hannes Jaenicke – Im Einsatz für Nashörner“. Hannes reiste für die Doku nach Ol-Pejeta in Kenia und besuchte dort den Nashornbullern Sudan. Den letzten Bullen seiner Art. Weiter ging es nach Südafrika und von dort nach Hanoi, denn die vietnamesische Hauptstadt gilt als Zentrum des illegalen Nashornhandels. Wie alle Dokumentationen von Hannes Jaenicke und seinem Team ein „Must see“ für alle die Tiere lieben und die Umwelt und deren Lebewesen schützen wollen.
ZDF: 16.1.2018 um 22.15

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