Südafrika: Neues und geschichtlich Interessantes zum iSimangaliso-Wetlandpark und zur traumhaften Landschaft des Lake St. Lucia Estuary, Teil 2

Was kann das Naturwunder des Lake St. Lucia Estuary und den iSimangaliso-Wetlandpark gefährden? – Betrachtung aktueller Sorgen und möglicher Folgen

Der Ismimangaliso-Wetlandpark und die Gegend des Lake St. Lucia Estuary – Afrikas größtes Ästuarsystem und weltweit ältestes unter Schutz stehendes Gewässer (erstmals 1895 genannt) – haben sich den Platz auf der UNESCO-Weltnaturerbe-Liste verdient und wurden im Jahre 1986 als „Ramsar“-Feuchtgebiet ausgezeichnet. Letztere Auszeichnung bezieht sich vor allem auf die vielen in dieser Gegend beheimateten Wildvögel. Über 50% aller in KwaZulu-Natal lebenden Vögel leben, nisten und rasten im und am Estuary.

Von vielen Schutzorganisation betont und ausgezeichnet stellt der iSimangaliso-Wetlandpark ein wahrhaft einmaliges Naturwunder dar und verdient es auf das Äußerste, geschützt zu werden. Veränderungen dieses Ökosystems können sich nicht nur als negative Folgen auf die lokale Ökologie und Ökonomie zeigen, sondern auch globale Auswirkung auf das ökologische Gleichgewicht haben.
Flamingos

Gefahren für dieses märchenhafte Wasserparadies:
Sorge 1: Ausbleibende Niederschläge
Als ich im Dezember 2015 zu Besuch war und die herrlich warmen Temperaturen und die klare Sonne des afrikanischen Sommers genoss, ahnte man noch nicht, dass sich diese niederschlagsfreie Zeit bis weit in das neue Jahr ziehen würde und die notwendige Regenzeit fast ausbleiben würde. Das Jahr 2015 wurde zum wasserärmsten Jahr in dieser Gegend seit 1920. Die Katastrophe ließ nicht lange auf sich warten. Im Laufe der Zeit trockneten 90% des Sees aus, das bedeutet 315 von 350 Quadratkilometer des Seebettes wurden in Folge der Dürreperioden freigelegt. Das Wasser, das noch übrig blieb, ist viel zu salzig und für die am und im Wasser beheimateten Tiere und Pflanzen nicht tolerierbar: Vielen Tieren können sich an den gravierenden Salzgehalt-Anstieg nicht anpassen und drohen zu verenden.
Lake_St_Lucia_trocken

Sorge 2: Naturschutz vs. individuelle Bedürfnisse
Im August 2015 stellten unter anderem zwei Farmer der Gegend einen gerichtlichen Antrag, den iMfolozi wieder in Richtung Meer umzulenken, um notwendiges Anbauland für Zuckerrohr zu gewinnen. Damals wurde der Antrag ausgesetzt und eine Entscheidung verschoben. Doch die Farmer ließen nicht locker: Im Dezember 2015 stellten sie erneut Antrag zur Trockenlegung der Flussbetten für die landwirtschaftliche Nutzung. Sollte sich das Gericht für die Genehmigung der Umlenkung aussprechen, könnten sich gravierende Probleme anschließen, die besorgniserregend wären – für das wundervolle Wasserparadies des iSimangaliso-Wetlandparks und das Lake St. Lucia Ästuarsystem. Die Sorge um negative Folgeauswirkungen wird hinsichtlich der kargen Regenausbeute von 2015 natürlich noch größer! Derzeit fließt erstes frisches Wasser seit Dezember 2015 in das System. Die Hoffnung ist groß, dass sich das Wasser aus dem Hauptbecken des Lake St. Lucia weiter in die nördlich gelegenen Regionen (Catalina Bay) ausbreitet und dort wieder zu günstigen Lebensräumen für die seltenen Wassertiere beiträgt.
Flusspferde
Farmer_St_Lucia
Darf also die Umlenkung des iMfolozi beispielsweise wegen eines derzeit erreichten Wasserpegels an einem bestimmten Messpunkt des Beckens stattfinden und die angesprochenen Folgewirkungen oder Chancen unbeachtet lassen? Siegen egoistische oder altruistische Entscheidungen? Eine philosophische Frage, die uns wohl nie wirklich loslassen wird…

Es grüßt
Afrikascout Michi