Tansania: Zerstört das „Weiße Gold“!

Für ihre Stoßzähne brutal attackiert und qualvoll zum Sterben zurückgelassen – so lassen in Afrika unzählige der liebenswerten Dickhäuter ihr Leben. Waren es im Jahre 1979 noch rund 316.000 Exemplare, so zählt man heute in Tansania nur noch knapp 1/6 von ihnen.

Das „Weiße Gold“ – Ein 120-Tonnen-Schatz

Einige der brutalen Killer wurden geschnappt, ihre Beute konfisziert. Übrig blieben 120 Tonnen  des „Weißen Goldes“, mit dem man legal nichts weiter anfangen konnte, als es zu bunkern, zu sichern und vor dem Verfall zu bewahren. Bis heute werden erhebliche Summen für diesen Zweck investiert, die dem Land Tansania an ganz anderer Stelle fehlen, die besser und sinnvoller eingesetzt werden könnten. So sehen es u.a. viele tansanischen Natur-, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten und fordern die Regierung dazu auf, die letzten Elfenbeinvorräte zu vernichten.

Blutiges Elfenbein als Mittel zum Zweck: Wem nützt es, wem schadet es?

Verlockende Postulierungen und gut klingende Ideen regierender Politiker, die sich für die Erhaltung der Vorräte aussprechen, um dem gebunkerten Elfenbein noch vor der Verrottung einen letzten guten Zweck zusprechen und es auf dem legalen asiatischen Markt veräußern wollen, stehen die Aktivisten pessimistisch gegenüber. Sie argumentieren, dass der derzeit noch bestehende ostasiatische Elfenbeinmarkt immer mehr schrumpfe und prognostizieren seinen Einsturz für die nächsten 5 Jahre. Man würde Öl ins Feuer kippen, wenn man weiterhin den legalen Markt in Japan, China und Vietnam mit den Vorräten bedienen würde und so darauf hoffe, dem Schwarzmarkt den Garaus machen zu können. Genau das Gegenteil bezwecke man, wenn man die brisante Ware, die mit hohen staatlichen und gesetzlichen Auflagen versehen ist,  legal auf teurem Wege an den asiatischen Mann und die asiatische Frau bringen wolle. Die Folge sei die ungewollte Expansion des Schwarzmarktes, der unter korrupter Manier die horrenden legalen Preise unterbieten könne – koste es, was es wolle! Das illegale Elefantenmorden würde mehr und nicht weniger werden! Prof. Jumanne Maghembe, der derzeit das Amt des Mister of Natural Resources and Tourism begleitet, äußerte im Jahre 2016, dass Tansania keineswegs seine Elfenbeinvorräte vernichten werde und bekräftigte die Idee, möglichst viel der tierischen Zahnbeinware legal in Asien abzusetzen, um notwendige Gelder zum Aufbau des Tourismus zu erhalten und schnell und effektiv einsetzen zu können.

Lasse ich einen Rat los oder bleibe ich ratlos?

In dieser Kontroverse häufen sich die offenen Fragen: Wem kann das „Weiße Gold“ noch dienen oder sogar: Sollte er jemandem in beschriebener Weise dienlich sein? Besteht der einzige sinnvolle Ausweg in der Zerstörung? Kann der legale Verkauf von Elfenbein, das auf brutale Weise gewonnen wurde, überhaupt moralisch richtig sein? Was ist lokal, was global die beste Entscheidung?
Was für mich individuell der beste Umgang mit der gelblichen Zahnware ist, kann ich kurz und knapp beantworten: Beim Anblick eines kunstvoll erstellten Exponats aus selbigem Material, dem Bewusstsein über dessen Gewinnung und damit einhergehenden blutigen, grausamen und traurigen Bildern verstümmelter Elefanten in meinem Kopf frage ich immer mal wieder:

„Ist das Kunst oder kann das dann doch endlich weg?“

Für das weltweite Problem der Elfenbeinbeschaffung, des Schmuggels und der fröhlichen Menge an Zahnmaterial-Liebhabern liefert dies natürlich nur den Anfang einer Antwort.

Das „Weiße Gold“: Für uns ist es ein teures Zahnbein – für einen Elefanten wertvoll und unendlich kostbar!

Es grüßt Euch mit fragendem Nachdruck Euer Afrikascout Michi.